Im Internet wird viel über NFC geschrieben und diskutiert. Aktuell geht es zumeist um die Frage, ob NFC wirklich sicher ist und wie es beim kontaktlosen Bezahlen um den Datenschutz bestellt ist. Das bei gegebener Marktlage vieles gefärbt dargestellt wird ist nachvollziehbar, doch zu häufig wird vergessen, dass jedes IT-System von Dritten kompromittiert werden kann. Dies gilt für NFC und ein Smartphone-OS genauso wie für Geldautomaten, POS-Terminals, EC-Karten, etc.

Mobile Marketing Welt - NFC-Stickerlösung

NFC-Payment, zurzeit noch ausbaufähig. Hier als Stickerlösung.Bild: CNM-Hannover

Fakt ist: NFC ist technisch eine vergleichsweise sichere Technologie. Aus Anwendersicht entscheidend ist jedoch vielmehr die konzeptionelle Sicherheit und seitens der Anbieter deren Kommunizierbarkeit. Hier wurden in der jüngeren Vergangenheit viele Fehler gemacht und es bleibt zu hoffen, dass die am Zahlungsverkehr beteiligten Unternehmen eine steil nach oben zeigende Lernkurve besitzen. Denn ebenso Fakt ist: Mobile Payment ist sehr wichtig für das NFC-Ökosystem. Nur wenn die Mobilfunk Carrier attraktive, geteilte Erlösmodelle mit dem stationären Einzelhandel finden und sich kurz- bis mittelfristig eine Win-Win-Situation einstellt, werden hier Budgets für breit angelegte Werbekampagnen bereitgestellt, die umfassend und ganzheitlich über das Thema NFC informieren.

Vor ein paar Tagen lieferte Samsung erste Verkaufszahlen zum neuen Galaxy SIII. Binnen zwei Monaten sind rund 10 Millionen Geräte verkauft worden, allesamt ausgestattet mit NFC. Ob nun das nächste iPhone NFC besitzt oder nicht, ist momentan reine Spekulation. Unabhängig hiervon wird die Verbreitung NFC-fähiger Mobiltelefone weiter deutlich zunehmen. Allerdings obliegt es in weiten Teilen den Mobilfunkanbietern, dem Endanwender zu erklären, was sich hinter dem Kürzel NFC verbirgt und für was er NFC einsetzen kann. Die findige Web 2.0-Generation wird sich NFC schnell zunutze machen und mit NFC-Tags ihren Alltag und Haushalt smarter gestalten. Doch das wäre im Hinblick auf das Volumen des Gesamtmarktes zu kurz gedacht.

Als Zugangstechnologie stellt NFC ein Bindeglied zwischen der realen und virtuellen Welt dar und ist in der Handhabung überaus simpel. Mit einem einfachen „Touch“ können Funktionen ausgeführt oder Informationen aus dem mobilen Internet heruntergeladen werden. NFC besitzt damit das Potenzial, selbst weniger technologieaffine Menschen und sogar solche jenseits der 35 von innovativen Handyfunktionen zu begeistern. Und jeder, der NFC einmal in einem realen Einsatzscenario genutzt hat, ist von der Usability beeindruckt. Intelligent umgesetzt, lässt sich dieser Ah ha-Effekt auch kontextspezifisch auf den eigentlichen Kommunikationsinhalt übertragen. High Involvement und soziale Sogwirkungen nicht ausgeschlossen.

NFC bietet für das Mobile Marketing und Location Based Services also enorme Chancen. Das Auslesen eines NFC-Tags funktioniert sehr schnell und ist unabhängig von sonstigen Umweltfaktoren. In der Regel braucht keine App gestartet zu werden und als Aktiv-Passiv-Technologie ist NFC im Ruhemodus sehr energieeffizient. Zudem ist NFC als Kommunikationskanal und Marketinginstrument in das Gesamt-NFC-Ökosystem zu verorten. Der Anwender kann hier von Couponing- und Loyalty-Programmen der Produkthersteller und Händler profitieren und schlussendlich mit NFC an der Kasse bezahlen. Alles initiiert und abgewickelt über einen einzigen, internationalen Standard, was im Zeitverlauf entsprechende Größen- und Erfahrungsvorteile generiert.

Um gleich eine Brücke zu den Verfechtern des QR-Code zu schlagen: Zweifelsohne hat dieser eine bleibende und vermutlich eher noch wachsende Bedeutung. Die Vervielfältigungskosten liegen bei null, was ihn für viele Formate im Printbereich unersetzbar macht. Zudem kann in gewissen Situationen das Abfotografieren weit entfernter, großer QR-Codes im Vergleich zum NFC-Touching von Vorteil sein. Ein Hinweis muss an dieser Stelle dennoch folgen: Der QR-Code ist eine Entwicklung aus dem Jahr 1994, die erst jetzt durch die Verbreitung von Kamerahandys den Weg in das Instrumentarium der Werber und Marketingexperten gefunden hat.

Auch NFC braucht noch ein klein wenig Zeit, um sich zu entwickeln. Die Technik muss weiter auf Sicherheit und Interoperabilität optimiert werden, die involvierten Unternehmen müssen einen offenen Dialog mit allen Stakeholdern anstreben und allen voran der Endanwender muss individuell erkennen lernen, ob und welchen Nutzen ihm NFC bieten kann. Anfang 2013 werden wir in Deutschland mit den Digital Wallets erste, ernstzunehmende NFC-Lösungen der Mobilfunkanbieter sehen. Wie die schöne neue Welt präsentiert wird, wie es um die Akzeptanz beim Endanwender bestellt ist und welche Applikation NFC tatsächlich zum Durchbruch verhelfen wird, ist noch ungewiss. Es bleibt also spannend.

Über den Autor:

Dr. Marc-Oliver Reeh ist Geschäftsführer des CNM Center for Near Field Communication Management. Das CNM ist eine unabhängige Technologie- und Management-Beratung mit Sitz in Hannover und zugleich das größte NFC-Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

 

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